Ziele und Methodik

Die Stiftung Elim Emmental bietet betreute Wohnformen an, in welchen schwangere Frauen und Mütter mit ihren Kindern einen Lebensraum und professionelle Betreuung finden. Tagesstruktur und Betreuung stellen das Wohl des Kindes sicher, bieten einen stabilen Rahmen und individuelle Förderung für Mütter und Kinder. Kernanliegen sind eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind, die Stärkung der Mutterkompetenzen und ein stabiles soziales System. Ziel ist die bestmögliche Wiedereingliederung von Mutter und Kind in die Gesellschaft.

Folgende fünf Zielsetzungen können mit einem Aufenthalt im Elim erreicht werden:

Entlastung der Mutter

sichern des Kindswohl

Betreuung und Tagesstruktur bilden das tragende Fundament, auf dem die individuelle Entlastung für die Mutter erarbeitet wird.

 

Lebensqualität

für Mutter und Kind

Das Leben findet nicht nur in der Zukunft statt, sondern will in der Gegenwart gelebt werden. Es ist mit ein Ziel, dass Mutter und Kind im Elim ein Zuhause erfahren können, welches ihnen ein möglichst hohes Mass an Lebensqualität im Hier und Jetzt ermöglicht.

  • familiäres Klima in einer kleinen, „heimeligen“ Institution
  • kinderfreundliche Infrastruktur und Einrichtungen
  • grosses Spielzimmer zur freien Nutzung
  • ruhige, sonnige Lage in ländlicher Umgebung
  • Nähe zum öffentlichen Verkehr
  • gesunde, saisongerechte Ernährung mit Lebensmittel aus der Region
  • Mitgestaltungsmöglichkeiten bei Menuplanung und Gruppenaktivitäten
  • lebensfreundlicher Standard an Hygiene und Ordnung 
  • punktuelles Angebot an kreativen oder sportlichen Tätigkeiten
  • Computerarbeitsplatz mit Internetanschluß zum Gebrauch in der Freizeit
  • Aufenthaltsraum mit Fernseher, DVD-Player und kleiner Bibliothek
  • Wertschätzung, Offenheit und das gemeinsame Suchen nach Lösungen als verbindende Werte in der Betreuung

Förderung

von Mutter, Kind & Familiensystem

Die Förderung im Elim verpflichtet sich der Nachhaltigkeit: Erst der Lernprozess und die Entwicklung bringen Mutter und Kind einen Vorteil für ihre Zukunft. Das Anliegen der Förderung entspringt der Annahme, dass jede Mutter für ihr Kind sorgen will und Ressourcen besitzt, welche gefördert werden können.

Nachfolgend ist von der Förderung der Mutter und der Förderung des Kindes die Rede. Beide Anliegen sind uns wichtig. Das zentrale Anliegen ist für uns aber die Mutterkind-Beziehung. Wir sehen in dieser einmaligen Beziehung einen wichtigen Schlüssel für die Zukunft von Mutter und Kind. Aus diesem Grund wird bei uns die Mutter so weit wie möglich in die Förderung ihres Kindes einbezogen. Wir halten den Respekt und die Achtung vor der einzigartigen Rolle der Mutter hoch und gestehen ihr die grösst mögliche Selbstbestimmung im Umgang mit ihrem Kind zu. Eingeschränkt wird diese Selbstbestimmung durch institutionelle Rahmenbedingungen (Hausordnung) und wenn wir die Interessen des Kindes gefährdet sehen. 

 

Die meisten Gefässe, die zur Förderung des Kindes oder der Mutter aufgelistet werden, dienen in diesem Sinn auch der Stärkung der Mutterkind-Beziehung.

 

Förderung der Mutter

Die ganzheitliche Förderung haben wir in sechs Förderbereiche gegliedert (siehe Grafik). Die Bereiche haben alle miteinander zu tun und bauen aufeinander auf. Im Fokus stehen die Förderung der Mutter- und Alltagskompetenzen. Das Ziel ist die grösst mögliche Selbständigkeit der Mutter.

 

Die Förderung baut auf dem Fundament der 24h Betreuung, der Tagesstruktur und der Gemeinschaft in der Gruppe auf. Auf diesem Fundament wird die individuelle Förderung für jede Mutter nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten angepasst (siehe Grafik oben).

 

In der Förderplanung werden die Ziele der Mutter, der Auftrag der Einweisenden Stelle, die Bedürfnisse des Kindes, die Beobachtungen aus dem Betreuungsalltag und das soziale System berücksichtigt.

 

Bei Frauen mit psychischen Einschränkungen wird der Besuch einer ambulanten Gesprächstherapie dringend empfohlen. War eine Frau aufgrund ihrer Problematik in der Vergangenheit hospitalisiert oder sie befindet sich deswegen in medikamentöser Behandlung, so wird eine ambulante psychiatrische Begleitung vorausgesetzt.

Förderung des Kindes

Das Kind wird gemäss seiner Entwicklungsstufe in Einbezug seiner Mutter im alltäglichen Umgang gefördert.

 

Intern setzt sich die Förderung wie folgt zusammen:

  • Die Bezugsperson unterstützt die Mutter in der Planung und Umsetzung der Förderung ihres Kindes. Es ist uns ein Anliegen, dass die Förderung möglichst natürlich im alltäglichen Geschehen passiert. Mit spezifischen Zielsetzungen und dem setzen von Schwerpunkten, wird die Förderungen individuell auf das Kind abgestimmt. 
  • Die Umsetzung wird gemäss den Vorgaben der Bezugsperson durch die diensthabenden Betreuerinnen im Alltag begleitet.
  • In der Kinderbetreuung wird das Kind ab 5 bis 6 Monaten durch geführte und freie Aktivitäten in der Gruppe gefördert.
  • Täglich ist ein kurzer Austausch mit der Kinderbetreuung bei der Übergabe möglich. 
  • Ausführlich hat die Mutter alle 2 bis 3 Monate im Rahmen eines Elterngesprächs einen Austausch mit der Kinderbetreuung. 
  • Die Entwicklungspsychologische Beratung bietet den Müttern gezielte Unterstützung im Wahrnehmen ihres Kindes und dessen Bedürfnissen und Kompetenzen (siehe EPB). 

Das interne Angebot wird durch die Zusammenarbeit mit externen Stellen ergänzt:

  • Monatlich findet ein Besuch der Mütterberatung statt.
  • Die üblichen Kontrollen beim Kinderarzt werden vorgenommen und bei Bedarf auch begleitet. 
  • Im Kindergarten- und Schulalter wird die Integration des Kindes in der Volksschule begleitet. Bei Bedarf wird die Mutter im Austausch mit der Schule unterstützt.
  • Wenn nötig  wird die Zusammenarbeit mit weiteren Fachpersonen eingeleitet und begleitet (Physiotherapie, Logopädie, Früherziehung, Erziehungsberatung, etc.). 

Ziel ist es, die natürliche und gesunde Entwicklung des Kindes zu fördern unter grösst möglichem Einbezug der Mutter und dem Einbezug weiterer privaten Ressourcen des Kindes.

Familiensystem

Mutter und Kind sind in ein komlexes Familiensystem eingebettet. Ein stabiles Umfeld ist für die Zukunft von zentraler Bedeutung und verdient während dem Aufenthalt besondere Aufmerksamkeit.

 

Insbesondere der Vater nimmt für das Kind eine wichtige Rolle ein. Aus diesem Grund wird die Zusammenarbeit mit dem Kindsvater gesucht. Die konkrete Ausgestaltung wird gemeinsam mit der Mutter und allenfalls mit der Beiständin des Kindes festgelegt.

 

Der Einbezug weiterer Bezugspersonen (Grosseltern, Paten, etc.) ist möglich und wird im Interesse des Kindes unterstützt.

Abklärungen

Standardmässig werden bei einem Aufenthalt im Elim zwei Kompetenzberichte pro Jahr zu Handen der Einweiser erstellt. Diese werden mit der Mutter vorgängig besprochen und ihr damit die Möglichkeit gegeben, diesem Bericht eine schriftliche Stellungsnahme anzufügen. 

 

Im Auftrag der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) können während des Aufenthaltes im Mutterkind-Haus Elim auch weitere Abklärungen über die Erziehungsressourcen der Mutter gemacht werden. Der Auftrag dazu muss die Behörde geben und das Einverständnis der Mutter einholen. Die Abklärung wird in der Zusammenarbeit mit externen Stellen (Ärzte, Erziehungsberatung) durchgeführt. Die Kosten werden der Auftraggeberin separat von den externen Stellen verrechnet.

 

Bei Müttern mit IV-Rente wird die Pflegebedürftigkeit mit dem Einstufungssystem ROES erfasst.

 

Bestmögliche Integration

in die Gesellschaft

Der Aufenthalt im Mutterkind-Haus (24h Betreuung) ist zeitlich limitiert und keine Langzeitlösung. Die Mutter erhält Unterstützung im Planen und Vorbereiten einer geeigneten Nachfolgelösung. Einweisende Stellen werden grundsätzlich und das soziale Umfeld von Mutter und Kind so viel als sinnvoll in diesen Prozess integriert. 

 

Massgebend für die Nachfolgelösung sind: 

  • das Kindesinteresse, 
  • der Wunsch, die Möglichkeiten und Grenzen der Mutter sowie
  • die praktische Umsetzbarkeit (Finanzierung, Verfügbarkeit).

Sinnvollerweise wird der Prozess in die Selbstständigkeit mit den internen Angeboten unterstützt (24 h Betreuung -> Betreutes Wohnen -> Begleitetes Wohnen). Auf diese Weise kann eine Mutter schrittweise und ohne Institutionswechsel in die Selbstständigkeit geführt werden. Der Vorteil gegenüber einem Institutionswechsel ist, dass auf Betreuungsseite eine hohe Beziehungskonstanz gewährleistet werden kann.